Post Polio Syndrom
Die Poliomyelitis als Vorerkrankung
Die Muskelerkrankung des Post-Polio-Syndroms wird im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten, die zu einer Schädigung der Muskulatur führen, nicht durch einen genetischen Defekt ausgelöst, sondern manifestiert sich erst nach dem Auftreten einer gefährlichen Infektionskrankheit. Diese Krankheit trägt den wissenschaftlichen Namen Poliomyelitis und dürfte einem großen Teil der deutschen Bevölkerung eher unter der Bezeichnung Kinderlähmung oder Polio bekannt sein. Die Kinderlähmung gilt in den westlichen Industriestaaten als weitgehend ausgerottet. Allerdings treten in afrikanischen und asiatischen Ländern immer wieder Fälle dieser Infektionskrankheit auf, was eine globale Prophylaxe und Überwachung weiterhin notwendig macht.
Besonders eine Form der Poliomyelitis ist gefürchtet, die der Erkrankung zu ihrem umgangssprachlichen Namen verholfen hat. Wird durch die Krankheitserreger das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, so treten Lähmungen der Gliedmaßen auf. Dieses Erscheinungsbild wird auch als paralytische Poliomyelitis bezeichnet und führte in der Vergangenheit bei einem Teil der Patienten zum Tod. Im Rahmen der modernen Grundlagenforschung ist es den Medizinern aber inzwischen gelungen, einen Impfstoff für diese virale Infektionskrankheit zu entwickeln. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten, welche in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Epidemien geführt haben, trat die Poliomyelitis über viele Jahrhunderte hinweg sehr selten auf.
Zwar dokumentieren historische Quellen das Auftreten der Kinderlähmung - etwa in Form von Reliefs aus dem pharaonischen Ägypten - aber bis zur Jahrhundertwende war ein epidemisches Auftreten eher selten. Erst mit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte sich die Kinderlähmung zu einer gefährlichen Krankheit, es kam bis zur Entwicklung geeigneter Impfstoffe immer wieder zu Epidemien unter den Kindern in Europa und den Vereinigten Staaten. Durch die Auswirkungen auf das Rückenmark der Betroffenen kann eine akute Poliomyelitis durchaus schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen, etwa das Post-Polio-Syndrom.
Allgemeines und Therapie
Bei der Poliomyelitis oder auch Kinderlähmung handelt es sich um eine der gefürchteten Erkrankungen bei kleineren Kindern. In der Regel tritt die Krankheit zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr in Erscheinung und führt bei einem geringen Prozentsatz der Betroffenen zu einer schweren Beeinträchtigung der Gliedmaßen. Über 90% der mit dem Virus infizierten Kinder zeigen keine Symptome, wodurch die Krankheit hier häufig nicht bemerkt wird. Im abgeschwächten Stadium ist eine Kinderlähmung vor allem mit Fieber, Halsschmerzen und einer Beeinträchtigung des Magen-Darm-Traktes verbunden. Allerdings heilt diese leichte Poliomyelitis bei über 75% der Erkrankten ohne Spätfolgen wieder ab. Bei etwa 1% der Infizierten greifen die Viren allerdings auf das Nervensystem und Rückenmark über.
In diesem Fall treten die typischen Lähmungserscheinungen auf. Im Vorfeld der paralytischen Kinderlähmung kommt es zu einer Meningitis, der sogenannten Hirnhautentzündung, die sich im späteren Verlauf auf das Rückenmark ausdehnt. Sofern lediglich eine Lähmung im unteren Rumpfbereich auftritt, handelt es sich nur um eine Schädigung des Rückenmarks. Wesentlich gefährlicher sind aber etwaige Auswirkungen auf Hirnnerven. Bei dieser Form kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, was zu einer sehr hohen Sterblichkeit führt. Wie lässt sich die Poliomyelitis aber erfolgreich behandeln? Leider kann an dieser Stelle keine Entwarnung für die Eltern betroffener Kinder gegeben werden. Trotz der modernen Medizin und aller Fortschritte in der Forschung ist es auch heute noch nicht möglich, eine auftretende Poliomyelitis ursächlich zu therapieren und die Viren unschädlich zu machen.
Das behandelnde Ärzteteam kann lediglich versuchen, auftauchende Symptome zu lindern, um den Verlauf der Krankheit für die Patienten so erträglich wie möglich zu gestalten. Hierzu zählt, neben der medikamentösen Behandlung mit Schmerzmittel, eine physikalische Therapie sowie ausreichend Ruhe. Sollte sich das Entstehen der schweren paralytischen Kinderlähmung abzeichnen, so wird an dieser Stelle eine intensivmedizinische Behandlung notwendig, um ein rechtzeitiges Eingreifen sicher zu stellen. Die Eltern sollten sich aus diesem Grund viel mehr auf vorbeugende Maßnahmen konzentrieren.
Polio-Prophylaxe als Vorbeugung des PPS
Die vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Poliomyelitis sind vor allem aus einem Grund von so großer Bedeutung: Bisher ist es nicht gelungen, gegen diese Erkrankung eine wirksame Therapie zu entwickeln, welche im Ernstfall eine schnelle Genesung der Patienten garantiert. Speziell deshalb sollten Eltern sich nicht davon beruhigen lassen, dass in den letzten Jahren diese Kinderkrankheit immer seltener geworden ist. Ohne eine entsprechende Prophylaxe steigt das Risiko beträchtlich an, auch in einer modernen und durch Hygiene geprägten Industrienation mit dieser Krankheit früher oder später konfrontiert zu werden. Das wichtigste Instrument der Medizin im Kampf gegen die Poliomyelitis ist auch heute immer noch die Impfung.
Letzten Endes beugen die Eltern damit nicht nur der primären Erkrankung selbst vor, sondern verhindern auch das Auftreten von Spätfolgen wie etwa der Skoliose oder des Post-Polio-Syndroms. Als Impfstoff selbst können abgeschwächte Erreger dienen, die immer noch in der Lage sind, sich zu vermehren und so bei den geimpften Personen eine Immunantwort auszulösen. Normalerweise resultiert aus der Verwendung des Lebendimpfstoffs keine Erkrankung. Allerdings gehen die Meinungen, was die Auswirkungen dieser Methode betrifft, soweit auseinander, dass inzwischen nur noch Totimpfstoffe zur Anwendung kommen. Diese werden gespritzt und minimieren die Gefahr, dass abgeschwächte Viren wieder zur aktiven Form zurückkehren.
Allerdings wird dieser Vorteil mit einem geringeren Schutz vor eine Infektion mit Wildviren erkauft. Wie wichtig aber selbst diese Impfung ist belegen Statistiken, an denen sich der Erfolg von Impfkampagnen in Deutschland nachvollziehen lässt. Bereits wenige Jahre nach dem Beginn der Impfung in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sank die Zahl der Neuerkrankungen rapide ab, was sicher für diese Form der Prophylaxe spricht.
