Post Polio Syndrom

 

Therapie des Post-Polio-Syndroms

Alle Betroffenen, die bereits in der Kindheit an einer Poliomyelitis erkrankten und sich dem Risiko des Post-Polio-Syndroms ausgesetzt sehen, wünschen sich natürlich eine wirksame Behandlung, die eine Heilung verspricht. Leider musste die moderne Medizin dieser Therapie den Patienten bisher schuldig bleiben, es existiert nach wie vor keine Möglichkeit, um die Ursache für das PPS zu bekämpfen. Wie bei vielen anderen muskulären Erkrankungen kann die Medizin auch in diesem Fall nur an einer Linderung der auftretenden Symptome arbeiten, was sicher für viele Patienten im ersten Moment ein Schock ist und eine seelische Belastung im Alltag darstellt. Um trotzdem eine möglichst sinnvolle Behandlung zu ermöglichen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den medizinischen Disziplinen erforderlich. Neurologen, Internisten sowie Physiotherapeuten und Orthopäden müssen gezielt an den einzelnen Symptomen des Post-Polio-Syndroms arbeiten, um die Begleiterscheinungen therapieren zu können. Da für die Schwächung der Muskulatur besonders die Überanstrengung der Nervenfasern verantwortlich gemacht wird, sollte in jedem Fall eine zu starke Beanspruchung der betroffenen Muskelpartien in jedem Fall vermieden werden. Neben dem alltäglichen Leben spielt dieser Grundsatz vor allem im Rahmen der physikalischen Behandlung eine große Rolle und muss durch den Physiotherapeuten in jedem Fall berücksichtigt werden.

Die Einschränkungen in der physischen Verfassung des Patienten haben aber noch wesentlich weiter reichende Folgen. In einigen Fällen kann die Diagnose PPS dazu führen, dass der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt wird. In einem solchen Fall geht die Behandlung über das gewohnte Maß einer Therapie hinaus, da nach beruflichen Alternativen gesucht werden muss. Zudem ist die Berufsunfähigkeit in vielen Fällen mit einem finanziellen Einschnitt verbunden, was den sozialen Druck auf die Patienten nur noch weiter erhöht. Tritt im Rahmen des Post-Polio-Syndroms zudem eine Unterbeatmung auf, muss die Therapie an die besonderen Umstände angepasst werden. Es sollte in jedem Fall ein Spezialist für Atemerkrankungen hinzugezogen werden, um Atemdefekte in einem ausreichenden Umfang behandeln zu können.

Neben Medikamenten, welche die Bronchien der betroffenen Person erweitern, sollte außerdem frühzeitig mit einer Beatmung der Patienten begonnen werden, sofern dies für eine erfolgreiche Behandlung notwendig ist. Speziell die Atembeschwerden können zu einer seelischen Belastung werden und ernst zu nehmende Angstzustände auslösen. Eine Therapie des PPS umfasst also eine sehr breite Palette unterschiedlichster Maßnahmen, die vor allem ein selbstständiges Leben der Patienten ermöglichen und die Eigenständigkeit zu großen Teilen bewahren soll. Drohen neben der Behandlung des PPS noch andere medizinische Eingriffe, sollten die Betroffenen immer auf die einzelnen Erkrankungen hinweisen, da bestimmte pharmazeutische Produkte bei der Diagnose Post-Polio-Syndrom gemieden werden soll.

Was sollte vermieden werden?

Bei vielen Krankheiten gelten für die Patienten Einschränkungen, was etwa den Genuss bestimmter Nahrungsmittel oder das Ausüben spezieller Tätigkeiten und Aktivitäten betrifft. Gleiches gilt auch für das Post-Polio-Syndrom. Durch die Schädigung der Muskulatur sollte etwa eine größere Anstrengung vermieden werden, da hierdurch der Zellstoffwechsel stark belastet wird, was die Muskulatur nachhaltig schädigen kann. Wie stark die Einschnitte in den bisherigen Alltag sind, sollte vor allem im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung geklärt werden. Aber selbst für die Behandlung der Patienten gelten einige Einschränkungen, etwa die Massage betreffend. Zwar unterstützt diese den angegriffenen Metabolismus der Zellen, erreicht aber bei einem akuten Abbau der Muskulatur das Gegenteil und sollte aus diesem Grund in einer solchen Situation auch vermieden werden.

Weiterhin sollte nach Möglichkeit auf den Einsatz bestimmet Medikamente verzichtet werden. Zu den betroffenen Wirkstoffen zählen unter anderem Narkotika, Betablocker und verschiedene Antibiotika. Sollte es im Rahmen einer zusätzlichen Erkrankung notwendig sein, dass über die Verwendung dieser Medikamente doch nachtgedacht wird, sollten in erster Linie Alternativen in Betracht gezogen werden, um den Körper der Betroffenen keinen größeren Risiken auszusetzen. Welche Einschränkungen für die Behandlung der Patienten genau gelten, ist in jedem Fall immer individuell zu prüfen, da sich keine standardisierten Aussagen zu dieser Problematik machen lassen.

Medikamentöse Behandlung

Neben den physiotherapeutischen Möglichkeiten, welche die Medizin im Rahmen einer Behandlung des Post-Polio-Syndroms den Patienten bietet, lässt sich die die Therapie auch mithilfe einiger Medikamente unterstützen. Allerdings kann an dieser Stelle nicht auf eine Standardbehandlung näher eingegangen werden, da die Dosierung sowie Art und Weise der verabreichten Pharmazeutika bei jedem Patienten individuell ermittelt werden muss. Lediglich die Wirkstoffgruppe lässt sich an dieser Stelle etwas genauer definieren. Um die Behandlung der PPS-Patienten zu unterstützen, können im Wesentlichen folgende Medikamente näher in Betracht gezogen werden.

Zum einen unterstützt die Einnahme von sogenanntem L-Carnitin den Stoffwechsel der Zellen. Diese Substanz ähnelt einem Vitamin und wird zum Teil im menschlichen Körper selbst hergestellt. Der weitaus größte Teil stammt aber aus der aufgenommenen Nahrung. Speziell Schaf- und Lammfleisch enthalten größere Mengen dieses Stoffs. Zusammen mit dem Coenzym A wirkt es sich besonders in den Mitochondrien der Zellen aus. Hier kann es die Energiegewinnung unterstützen, was die Zellen entlastet. Antidepressiva kommen im Zuge der Behandlung nicht nur dann zum Einsatz, wenn die Patienten von dieser Problematik betroffen sind, sondern können auch eine schmerzlindernde Funktion entfalten. Daneben bietet sich auch die Verabreichung von Kreatin an, welches unter anderem den Metabolismus der Zellen unterstützt und somit die Schädigung verlangsamt.

Dieser organische Stoff kommt bei allen Wirbeltieren in der Muskulatur vor und spielt vor allem bei der Kontraktion eine wichtige Rolle. Neben der Behandlung des Post-Polio-Syndroms kommt dieser körpereigene Stoff auch bei anderen Muskelerkrankungen zum Einsatz. Zusätzlich kann auch mit Medikamenten gearbeitet werden, welche die Übertragung der Impulse zwischen dem Nerv und Muskel verbessern.  

Physiotherapie

Im Rahmen der Behandlung des Post-Polio-Syndroms nimmt die Physiotherapie sicher den größten Teil der Therapie ein. Aufgrund der Schwere dieser Erkrankung und den damit verbundenen Einschränkungen müssen die Patienten sich in ihrem bisherigen Alltag neu orientieren und speziell im Rahmen der körperlichen Aktivität in der Regel schwere Einschnitte hinnehmen, da eine zu starke Belastung der Muskulatur vermieden werden sollte. Durch die Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeut und Patient soll vor allem das Bewusstsein für den eigenen Körper entwickelt und ein entsprechender Umgang mit der Krankheit PPS gefunden werden. Vor der eigentlichen Behandlung steht immer eine individuelle Diagnose, welche die Krankenvorgeschichte, den Verlauf der Erholungsphase, die Entwicklung der momentanen Symptome und eine medikamentöse Therapie umfasst.

Das wichtigste Ziel aller physikalischen Therapiemaßnahmen besteht in einer Erhaltung der noch funktionsfähigen Muskulatur. Hierbei sollte das Augenmerk der Therapeuten vor allem auf dynamische und abwechslungsreiche Übungen gerichtet werden, da diese am ehesten die alltäglichen Belastungen widerspiegeln und dem Patienten so am besten helfen können. Allerdings sollte im Rahmen dieser Behandlung immer darauf geachtet werden, dass die einzelnen Muskelgruppen nicht zu stark belastet werden. Schließlich erreicht man damit das genaue Gegenteil – nämlich die weitere Beeinträchtigung der Muskulatur. Anzeichen für eine solche Überanstrengung können etwa Muskelkater und Schmerzen in den einzelnen Bereichen des Muskelgewebes sein. Klagt der Patient über solche Anzeichen, muss die Form der Therapie noch einmal überdacht und der neuen Situation angepasst werden. Weiterhin sollte im Rahmen der Behandlung den Betroffenen ausreichend Zeit zur Erholung eingeräumt werden, da die Leistungsfähigkeit gegenüber dem gesunden Körper deutlich herabgesetzt ist. Um den langfristigen Erfolg der Physiotherapie zu garantieren, bedarf es also einiger Erfahrung und einer engen Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt. Dieser sollte den Therapeuten immer über Veränderungen der Symptome und des Fortschreitens der Krankheit informieren. An dieser Stelle ist auch der Patient gefordert, da sich ein nachhaltiger Erfolg nur dann einstellen wird, wenn die Ratschläge und Tipps der Therapeuten auch wirklich umgesetzt werden. 

Spezielle Aspekte der physikalischen Therapie

Neben der Erhaltung der motorischen Fähigkeiten und der noch funktionsfähigen Muskulatur ist die Aufmerksamkeit der Physiotherapeuten noch an ganz anderen Stellen erforderlich. Da es sich beim Post-Polio-Syndrom um eine Erkrankung handelt, die unterschiedliche Bereiche des menschlichen Körpers beeinflussen kann, sollten auch die anderen Symptome nicht vernachlässigt werden. Hierzu zählt etwa die Bildung von Muskelverkürzungen oder Versteifungen der Gelenke. Beides sollte nach Möglichkeit bereits sehr früh erkannt und behandelt werden. Hierzu empfehlen sich besondere Dehntechniken und Übungen, welche die Beweglichkeit der Gelenke fördern. Um die begleitenden Schmerzen zu lindern und eine Verbesserung der Durchblutung zu erreichen, können im Zusammenhang mit der physikalischen Behandlung des Post-Polio-Syndroms auch Massagen durchgeführt werden. Sie haben den positiven Nebeneffekt, dass der Stoffwechsel in den Muskelzellen angeregt und maßgeblich verbessert wird. Allerdings muss auch die Massage in ihrer Art und Weise an das aktuelle Stadium der Erkrankung angepasst werden.

Da durch das Post-Polio-Syndrom auch die Atmung der Patienten in Mitleidenschaft gezogen werden kann, sollte der Prophylaxe auch in diesem Bereich die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Neben dem Erlernen unterschiedlicher Atemtechniken und einer besseren Beweglichkeit des Brustkorbes wird an dieser Stelle auch das richtige Inhalieren sowie die Nutzung von Atemgeräten trainiert. Wie man sieht, handelt es sich bei der physikalischen Therapie des Post-Polio-Syndroms um eine sehr vielschichtige Behandlung, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit für den Patienten erfordert. 

 

 

 

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