Polymyositis
Mögliche Ursachen einer Polymyositis
Leider ist es der modernen Medizin bis heute noch nicht gelungen, eine genaue Ursache für die Entstehung der Polymyositis zu identifizieren. Viele Mediziner und Wissenschaftler gehen immer noch davon aus, dass es sich hierbei um eine reine Autoimmunerkrankung handelt. Da es bei dieser Muskelerkrankung aber anscheinend zu einer Anhäufung unterschiedlichster Krankheitsbilder kommt, wird diese These in Fachkreisen zunehmend hinterfragt. Zusätzlich fällt eine genaue Diagnose der eigentlichen Ursache relativ schwer. Inzwischen gehen Mediziner davon aus, dass es sich bei dem ehemals als homogen angesehen Krankheitsbild, um verschiedenste Erkrankungen mit zum Teil recht stark voneinander abweichenden Ursachen handelt.
Sicher scheint aber die Erkenntnis, dass für einen Teil der Entzündungen genetische Defekte eine gewisse Rolle spielen. Zudem lassen die Krankengeschichten der unterschiedlichen Patienten eine gewisse saisonale Häufung der Polymyositis erkennen. Ein Teil der Betroffenen berichtet über das Auftreten der Symptome vor allem in den Frühlingsmonaten, wogegen andere im Herbst unter der Muskelerkrankung zu leiden haben. Kombiniert mit dem Auftreten bestimmter Virus-Antigene, geht ein Teil der Wissenschaftler davon aus, dass Infektionen im Zusammenhang mit Umwelteinflüssen eine besondere Rolle beim Auftreten der Polymyositis spielen.
Speziell eine Form der entzündlichen Myopathien, die Einschlusskörpermyositis, scheint im Zusammenhang mit einer Virusinfektion zu stehen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich aus dem Umstand, dass die Polymyositis in vielen Fällen durch andere Erkrankungen verdeckt wird. So können Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel AIDS und Grippe oder Hormonstörungen sowie Stoffwechselkrankheiten, mit ihren typischen Symptomen dafür verantwortlich sein, dass die eigentliche Muskelerkrankung unerkannt bleibt.
Autoimmunerkrankungen
Eigentlich dient unsere körpereigene Immunabwehr dazu, eindringende Fremdkörper wie Viren, Bakterien oder andere Parasiten auszuschalten, bevor sie größeren Schaden anrichten können. Hierzu muss das Immunsystem zwischen fremden und eigenen Zellen unterscheiden können. Allerdings werden diese sehr komplexen Vorgänge bei einzelnen Menschen immer wieder gestört. Die Immunabwehr unterscheidet nicht mehr korrekt zwischen körpereigenem und fremdem Gewebe, sondern attackiert beide ohne einen Unterschied zu machen. Die Folge können entzündliche Erkrankungen sein, die ohne eine erkennbare Ursache auftreten. Betroffene Organe können mitunter so stark durch die fehlgeleitete Immunreaktion in Mitleidenschaft gezogen werde, dass sie letzten Endes versagen und zum Tod der Betroffenen führen.
Was diese Autoimmunerkrankungen auslöst, ist in den Wissenschaften und der Medizin bis heute unklar und bedarf noch weiterer Forschungsarbeit. Generell kann festgehalten werden, dass die Störungen des Immunsystems wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel aus genetisch bedingten Defekten und äußeren Einflüssen, wie Infektionskrankheiten oder starken Stresssituationen, ausgelöst werden können. Erkennt die eigene Immunabwehr in körpereigenem Gewebe einen potentiellen Krankheitserreger, so werden die auslösenden Zellen als Autoantigen bezeichnet. Der Begriff Antigen wird für alle Stoffe verwendet, welche eine Immunreaktion auslösen.
Werden diese durch T-Zellen als Bedrohung erkannt, beginnt sich das Immunsystem zu formieren und versucht die eigenen Zellen auszuschalten. Neben der Produktion entzündungsfördernder Stoffe kommen auch Antikörper zum Einsatz, die das entsprechende Gewebe für Fresszellen markieren. Letztere sind am Ende für die Zerstörung der betreffenden Zellen verantwortlich. Richtet sich die Reaktion gegen Nervengewebe oder lebenswichtige Organe, kann die Immunabwehr zu schweren Schäden führen. Zudem geht eine Autoimmunkrankheit meist mit einer Schwächung des gesamten Abwehrsystems einher. Auf diese Art wird es echten Krankheitserregern ermöglicht, den Körper noch weiter zu schwächen.
Im Fall der Polymyositis erstreckt sich die Abwehrreaktion auf gesunde Muskelzellen, die mit T-Zellen überschwemmt werden. Diese umzingeln ihren „Gegner“ förmlich, dringen in die Zellen ein und zerstören auf diese Art und Weise eigentlich gesundes Gewebe.
Wirkung der Umwelteinflüsse
Besonders auf dem Gebiet der Autoimmunerkrankungen werden die Ursachen immer wieder kontrovers diskutiert, da bisher keine genauen Ergebnisse darüber vorliegen, wodurch die verschiedenen Krankheitsbilder eigentlich ausgelöst werden. Ähnliches gilt auch für die Polymyositis und andere nichterregerbedingte Myopathien. Die Palette der Erklärungsversuche reicht von Viruserkrankungen bis hin zur These, dass verschiedenste Wirkstoffe einzelner Medikamente der Auslöser dieser „falschen“ Reaktion des Immunsystems sein könnten. Was die Auswirkung der Umwelt auf die Entstehung und den Verlauf dieser Erkrankungen betrifft, sind sich die Wissenschaftler ebenfalls nicht einig. Einige Mediziner gehen nach einer Analyse verschiedener Krankheitsbilder davon aus, dass bestimmte Formen der Polymyositis an verschiedene Umweltfaktoren gekoppelt sind. Andere Wissenschaftler widersprechen dieser Theorie und führen das Entstehen einer entzündlichen Myopathie auf andere Ursachen zurück.
Der Grund für diese Uneinigkeit liegt sicher zum großen Teil darin, dass sich hinter dem Begriff Polymyositis sehr unterschiedliche Krankheitsbilder verstecken und die Krankengeschichten der Patienten voneinander abweichen. Wissenschaftler berichten davon, dass bei Betroffenen ein Auftreten der Symptome in bestimmten saisonalen Rhythmen dokumentiert wurde. Bei diesen Personen hat sich zudem, in Abhängigkeit vom jahreszeitlichen Ausbrechen der Polymyositis, eine Auffälligkeit während der Blutuntersuchung gezeigt. Patienten, die über Symptome im Frühjahr berichteten, zeigten eine andere Verteilung der Antikörper als Betroffene im Herbst. Die genauen Mechanismen werden weiterhin Gegenstand umfangreicher Forschungsarbeiten bleiben und dürften die Wirkung der Umwelteinflüsse sicher mit einbeziehen.
