Myotone Dystrophien vom Typ Duchenne und Becker
Molekular-genetische Grundlagen
Für die Entstehung des Krankheitsbildes Muskeldystrophie vom Typ Duchenne oder Becker ist ein genetischer Defekt verantwortlich, welcher sich auf ein lebenswichtiges Protein auswirkt, das für gesunde Muskelzellen von essenzieller Bedeutung ist. Es handelt sich bei der Veränderung entweder um eine Repeatmutation oder eine Verkürzung des Gens durch fehlende Sequenzen. Letzteres ist für den Patienten mit einem Informationsverlust verbunden. Auf diesem Wege lässt sich auch die Entstehung der verschiedenen Krankheitsbilder erklären. Handelt es sich etwa um eine Deletion, welche während des Auslesens der Informationen plötzlich ein Stopcodon erzeugt, bricht der Synthesevorgang an dieser Stelle ab und es wird kein Dystrophin produziert - das Duchenne-Syndrom ist die Folge.
Wird der Lesevorgang trotz der Verkürzung aufrechterhalten, kann ein Dystrophin synthetisiert werden, welches in seiner Funktion eingeschränkt ist. Dieses Eiweiß lässt sich bei Patienten mit einer Muskeldystrophie vom Typ Becker nachweisen. Mit Hilfe dieser so genannten Frame-Shift-Theorie kann man einen relativ großen Teil der auftretenden Krankheitsfälle erklären. Beim Dystrophin handelt es sich um ein Protein-Molekül, welches für die Zelle eine wesentliche Rolle beim Kontakt mit dem umgebenden Bindegewebe spielt. Ein Teil bindet sich an das Aktin. Letzteres ist eines der wichtigsten Eiweiße innerhalb der Zelle. Es ist ein Strukturprotein und übernimmt Aufgaben im Rahmen des Stofftransportes. Darüber hinaus spielt es eine wichtige Rolle im Kontraktionsapparat von Muskeln.
Mit dem C-terminalen Ende bindet sich Dystrophin an das Dystroglykan, welches eine Verbindung mit Elementen des extrazellulären Bindegewebes herstellt. Dystrophin selbst liegt an der Innenseite der Zellmembran und übernimmt eine wesentliche Rolle im Zellskelett. Fehlt dieses Bindeglied, sind schwerwiegende Muskelerkrankungen die Folge.
