Guillain Barré Syndrom
Therapie
Bei einem Guillain–Barré–Syndrom gilt einer intensivmedizinischen Behandlung der Patienten im akuten Stadium die besondere Aufmerksamkeit der Ärzte. Grund für diese besondere Behandlung ist ein Aspekt dieser Erkrankung, der sich mitunter als lebensbedrohlicher Zustand herausstellen kann. Die Rede ist hier vom Einfluss auf die Atemmuskulatur der Patienten.
Etwa in einem Viertel der Fälle kommt es zu dieser Ateminsuffizienz, was eine künstliche Beatmung und somit eine Beobachtung der Betroffenen rund um die Uhr notwendig macht. Entsprechende Möglichkeiten bietet leider nur eine stationäre Behandlung. Aus diesem Grund werden Patienten mit der Diagnose akutes Guillain–Barré–Syndrom auch nicht um einen Krankenhausaufenthalt herumkommen. Neben den Werten, die auf eine Beeinträchtigung der Atmung hindeuten, muss noch eine größere Zahl weiterer Funktionen im Verlauf des akuten Guillain–Barré–Syndroms überwacht werden. Hierzu zählen die wichtigsten Vitalfunktionen, wie der Blutdruck und der Herzrhythmus.
Besondere Schwierigkeiten bereitet die Linderung der auftretenden Schmerzen, da gerade Paresen im Gesicht eine Schmerzdiagnose über die Mimik der Patienten unmöglich machen. Um die fortschreitenden Angriffe des Immunsystems gegen die Nervenzellen zu unterbinden bzw. zu mildern, haben sich in den letzten Jahren zwei unterschiedliche Therapieansätze etabliert.
Die erste und wesentlich ältere Behandlung besteht in der Plasmapherese. Diese arbeitet nach einem der Dialyse ähnlichen Prinzip und soll die Zahl der im Blutkreislauf vorhandenen Antikörper verringern. Dieses Ziel verfolgt ebenfalls die Verabreichung von Immunglobulin. Allerdings können sich Patienten auch ohne eine immunmodulierende Therapie wieder vom Guillain–Barré–Syndrom erholen. Allerdings sollte hier auf die intensivmedizinische Betreuung in den ersten Wochen nicht verzichtet werden, da gerade die unterstützenden Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Todesrate im Rahmen des Guillain–Barré–Syndroms geführt haben.
Besondere Aspekte des GBS
Aufgrund der unterschiedlichen Verlaufsformen des Guillain–Barré–Syndroms und der verschiedenen Heilungsgeschichten sollten einige Aspekte der Behandlung an dieser Stelle besondere Beachtung finden. Obwohl es häufig zu einer kompletten Erholung der Patienten kommt, können andere Betroffene auch nach einigen Monaten über verbleibende Symptome klagen. Hierzu zählen etwa residuale Paresen oder eine bleibende Schwäche in den Händen und Füßen. Für diese Nachwirkungen ist die starke Schädigung der längsten Neuronen im peripheren Nervensystem verantwortlich.
Bei einigen Betroffenen kann die Schwäche soweit gehen, dass die anschließende Behandlung durch einen Orthopäden notwendig werden kann. Zudem beschweren sich Patienten über ein mangelndes Feingefühl in den Händen, nachdem sie bereits vor einigen Wochen aus der stationären Behandlung entlassen wurden sind. All diese Störungen der motorischen Fähigkeiten lassen sich über eine gezielte physiotherapeutische Behandlung im Lauf der Zeit abmildern.
Allerdings gilt auch beim Guillain–Barré–Syndrom der Grundsatz, dass eine Überanstrengung grundsätzlich vermieden werden sollte. Aus diesem Grund müssen auch die Patienten über ihre Grenzen und eventuelle Warnsignale des Körpers informiert werden. Da es durch die Erkrankung auch zu Beeinträchtigungen der sensiblen Nerven kommen kann, sollte auch die Therapie diesem Umstand Rechnung tragen und in kleinen Schritten am sensorischen Wahrnehmungsvermögen der Betroffenen arbeiten. Ein geeignetes Mittel besteht im Auslösen sensibler Reize, mit denen die Oberflächensensibilität wieder hergestellt werden soll. Um unbemerkten Verletzungen vorzubeugen, müssen die Patienten in regelmäßigen Abständen, am besten täglich, ihre Fußsohlen kontrollieren. Nur so können in diesem Fall eitrige Infektionen vermieden werden.
Prognose für Patienten
Für Patienten mit der Diagnose akutes Guillain–Barré–Syndrom kann in aller Regel Entwarnung gegeben werden, da die Erkrankung, im Gegensatz zu anderen Muskelkrankheiten, nicht von anhaltender Dauer ist, sondern nach dem Erreichen der Plateau-Phase und einigen Tagen auf diesem Maximum wieder zurückgeht. Es handelt sich hierbei also nicht um ein Krankheitsbild, welches einen über die Jahre ansteigenden Verlauf zeigt und schließlich die Patienten soweit einschränkt, dass schwerwiegende gesundheitliche Folgen den Alltag und das weitere Leben bestimmen.
An dieser Stelle soll nur auf die Muskeldystrophien sowie die Spätfolgen verwiesen werden. Einzige Ausnahme ist die chronische Variante. Allerdings kann sich der Genesungsprozess, je nach Verlaufsform des Guillain–Barré–Syndroms über mehrere Monate oder sogar einige Jahre erstrecken. Speziell in den Händen und Füßen spürt ein Teil der Betroffenen die Symptome Taubheit und Schwäche noch über einen langen Zeitraum.
Allerdings sind diese Nachwirkungen selten wirklich lebensbedrohlich. Zu den auftretenden Langzeitfolgen gehören neben diesen Symptomen eine verringerte Belastbarkeit sowie die schnellere Ermüdung der Muskulatur. Bei etwa einem Fünftel lassen sich auch nach dem Abklingen der akuten Phase noch Behinderungen durch die Paresen feststellen. An dieser Stelle soll noch auf einen weiteren Aspekt des Guillain–Barré–Syndroms verwiesen werden: die Todesrate unter den Patienten. Zwar konnte die Mortalität durch moderne medizinische Behandlungsweisen gesenkt werden, es sterben aber immer noch 5% bis 15% der Betroffenen an den Folgen dieser Krankheit.
