Guillain Barré Syndrom
Diagnose des Guillain–Barré–Syndroms
Da es sich beim Guillain–Barré–Syndrom um eine relativ schnell progradierende Erkrankung handelt, die aufgrund der verschiedenen Erscheinungsformen auch einen unterschiedlichen Verlauf nehmen kann und zudem wichtige Funktionen des Körpers, wie etwa die Atmung, beeinflusst, muss der behandelnde Arzt nach Möglichkeit eine schnelle und sichere Diagnose treffen. In der Diagnosestellung nimmt die begleitende Anamnese eine bedeutende Stellung ein, da sich hier durchaus erste wichtige Hinweise über die zugrunde liegende Ursache der Symptome finden lassen. Berichtet der Patient etwa über eine vorhergehende Infektion, die nur wenige Wochen zurückliegt, spricht dies sicher für das GBS. Daneben erhärten die Paresen und deren schneller Fortschritt den Verdacht, dass hier eine Form des Guillain–Barré–Syndroms vorliegt. Für das Ärzte-Team nimmt das klinische Bild der Krankheit eine besondere Stellung zur Diagnose ein. Daneben wird bei Patienten, die unter dem Guillain–Barré–Syndrom leiden, auch häufig eine spezifische Veränderung im Liquor beobachtet. Die Zellenzahl bleibt zwar im Großen und Ganzen konstant, allerdings zeigt sich ein sprunghafter Anstieg der Proteinmenge. Bei dem hier angesprochenen Nervenwasser handelt es sich um die Flüssigkeit des Rückenmarks, wo sich das Eiweiß vermehrt. Leider ist dies nur ein begleitendes Phänomen, welches sich nicht als universeller Indikator verwenden lässt, da es nicht in 100% der dokumentierten Fälle nachweisbar ist.
Die Entnahme des Liquors kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, neben dem anatomischen Zugangsweg zählt die Lumbalpunktion sicher zu den bekannteren Möglichkeiten, auf denen eine gewisse Menge Nervenflüssigkeit zu Untersuchungszwecken entnommen wird. Um die einzelnen Verlaufsformen des Guillain–Barré–Syndroms voneinander abzugrenzen, nutzt die moderne Medizin vor allem die Technik der Elektromyographie und der Elektroneurographie. Mithilfe der Myographie entsteht die Möglichkeit, Nerven auf deren Aktivität zu prüfen. Hierbei können einzelne Fasern oder ganze Bündel genauer untersucht werden. Die Elektroneurographie bestimmt Nervenleitgeschwindigkeit, Amplitude und das Verteilungsmuster der elektrischen Signale. Je nach Ergebnis der Untersuchungen lässt sich eingrenzen, ob nur sensible oder auch motorische Nerven betroffen sind. Zudem kann anhand der Wellenbilder festgestellt werden, in welchem Umfang auch der Nervenkern betroffen ist. Gerade bei axonalen Schäden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich eine Behandlung des GBS über einen langen Zeitraum hinzieht. Die Untersuchung des Blutes auf vorhandene Antikörper gegen die Gangliosiden ist zwar eine zusätzliche Möglichkeit, um die Diagnose Guillain–Barré–Syndrom zu untermauern. Allerdings hat sich die moderne Medizin noch nicht auf eine einheitliche Stellungnahme zum diagnostischen Charakter des Auftretens dieser Antikörper geeinigt.
